Stressbewältigung mal anders

Interview mit Stephannie Stewart, Inhaberin von movenyo

Letzte Woche habe ich Stephannie Stewart, eine befreundete Unternehmerin aus Hannover, getroffen und mit ihr über gute Vorsätze, Motivation und den Umgang mit Stress gesprochen. Stephannie ist Inhaberin eines Tanz- und Yogastudios und Expertin für Bewegung, Ernährung & Stressbewältigung: www.movenyo.de

 

1) Als Yogalehrerin hat man ja durchaus den Ruf, viel Balance & Ruhe ins Leben bringen zu können. Bist du denn wirklich immer gelassen?

Ach, das wäre schön Caroline :). Nein, ich bin natürlich nicht immer gelassen.
Ehrlich gesagt bin ich von Haus sogar eine Person, die sich eher schnell aufregt - damit meine ich sowohl positive als auch negative Aufregung. Ich reagiere sehr schnell auf Reize… Früher hatte ich manchmal große Schwierigkeiten, dies zu filtern. Es hat einige Lebensjahre und die eine oder andere Technik gebraucht, bis ich verstanden habe, dass Stress auch immer eine eigene Entscheidung ist.
Wir sind den Dingen nicht hilflos ausgeliefert, sondern haben einen größeren Einfluss darauf als wir oft denken. Die Umstände können wir nicht ändern, aber wir können sehr wohl unseren Blick darauf verändern.

Es braucht nicht unbedingt den Kopfstand im Yoga, um die Perspektive zu ändern. Es geht vielmehr darum, sich und die eigenen stressverstärkenden Gedanken besser kennenzulernen. Wir beißen uns viel zu oft an und in Gedankenschleifen fest -

dann wird die Sache größer und der Stresspegel steigt und steigt. Wenn ich zum Beispiel wieder einmal gefühlt an der „falschen“ Supermarktkasse anstehe, ist ein sehr typischer Gedanke: „Na super, das war ja wieder klar!“ Es ist meine freie Wahl, diesen Gedanken zu ändern. Zum Beispiel in ein:„Okay, ich verbringe hier mehr Zeit, als ich eingeplant habe. Dann nutze ich diese geschenkte Zeit einfach für eine kleine Mini-Meditation und mache mir drei Dinge bewusst, für die ich gerade so richtig dankbar bin.“ Klingt fast lächerlich einfach. Und weißt du was? Das ist es auch :).

 

2) Und wie gehst du in ganz akuten, größeren Stress-Situationen vor? Hast du da auch einen Tipp?

Ja, habe ich, meine Empfehlung als Sofort-Maßnahme lautet: Alles weg (Stift aus der Hand, Handy beiseite, rechts ranfahren,

was auch immer möglich ist). Ein paar Sekunden die Augen schließen und tief atmen. Beim Einatmen bis tief in den Bauch kannst du einfach innerlich den Gedanken sprechen: „Ich atme ein“ und beim Ausatmen: „Ich lasse los!“. Ich weiß, das klingt mega simpel und wenn es einfach ist, werden wir gern misstrauisch…. Aber der Atem ist DAS Verbindungsglied zwischen Körper und Geist.

Er ist unser Anker, mit dem wir uns immer und unmittelbar ins Hier und Jetzt holen können. Das Tolle ist: Wir haben ihn immer dabei. Bewusstes Ausatmen wirkt unmittelbar auf den Parasympathikus (den Teil unseres vegetativen Nervensystems, welches für die Entspannung zuständig ist).

 

Wie schon in der ersten Frage angedeutet: Wenn wir uns Stresssituationen einmal genauer anschauen, dann ist es oft der Gedanke dahinter, der uns stresst. Wir lassen uns vom Geplapper unserer eigenen Gedanken verrückt machen und kommen dann vom Hundertsten ins Tausendste. Es gibt eine schöne Geschichte von einem Hasen, der im Stadtpark genüsslich grast.

Ein Hund kommt angelaufen und jagt den Hasen quer durch den Park. Der Hase hat natürlich Todesangst, flieht, schlägt Haken und entkommt schließlich. Was tut er danach? Richtig, er kehrt zu seiner Wiese zurück und grast weiter. Wäre er ein Mensch, würde er stunden- ja, vielleicht tagelang die Situation durchspielen: „Was war das überhaupt für ein Hund? Wieso lief der nicht an der Leine? Der war doch neulich schon hier? An der Stelle hätte er mich fast gehabt. Puh, ich kann hier nie wieder in Ruhe essen?

Was soll nur werden? Ich hasse Hunde“.… Nun wurden wir ja als Menschen glücklicherweise mit einem tollen Bewusstsein beschenkt. In Stresssituationen ist es extrem hilfreich, die eigenen Gedanken so neutral wie möglich zu beobachten.

Es gibt viele, tolle Möglichkeiten, dieses Gedankenkarussell mit körperlichen Übungen abzuschalten.

Yoga ist natürlich perfekt, aber es gibt auch ganz andere Möglichkeiten: Was unserem Hasen in der obigen Geschichte nämlich ebenfalls beim Stressabbau unterstützt hat, ist das schnelle Weglaufen vor dem Hund. Bewegung ist also eine ganz natürliche und wirkungsvolle Hilfe zum Stressabbau! Ausdauersport ist toll oder einfach Musik an und wild tanzen & schütteln bis wir so richtig aus der Puste sind. Danach sieht die Welt schon anders aus!

 

3) Gibt es tägliche Routinen, die helfen können und langfristig mehr Gelassenheit bringen?

Ein paar Punkte habe ich ja bereits angesprochen: Bewegung ist wichtig und auch eine gesunde Ernährung kann definitiv helfen. Sich selbst und die eigenen Stressmuster zu beobachten, hilft sehr!

Am besten schreiben wir sie auf: Was sind meine Stress-Top-10? Welche stressverstärkenden Gedanken und Glaubenssätze habe ich dazu? Welche Bedürfnisse habe ich und wie fühlt es sich an, wenn diese erfüllt sind?

Ganz vereinfacht gesagt: Wenn mein Anspruch an mich einfach zu hoch ist und ich immer alles perfekt machen möchte, dann setze ich damit permanenten Stress aus. Völlig unabhängig davon, in welche Situationen ich gerate. Da hilft nur: Hinsehen, beobachten und neue Muster üben. Sehr hilfreich finde ich, das regelmäßige Führen eines Tagebuches am Abend: Was habe ich heute Schönes erlebt? Was ist mir besonders gut gelungen? Wofür bin ich dankbar? Es darf ganz einfach sein und es ist absolut in Ordnung, für vermeintlich ganz selbstverständliche Dinge dankbar zu sein: Das Dach über dem Kopf, die leckere Mahlzeit, die sonnige Mittagspause oder das tolle Gespräch mit der Kollegin.

 

Wer Lust hat, mal an einem Stessbewältigungsseminar der besonderen Art bei Stephannie teilzunehmen, hat  am 10.03.2018 Gelegenheit dazu. Infos & Anmeldung hier

 

 

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